Hans Kürzinger ist ein Veteran unter
den Tandlern. Er selbst bezeichnet sich augenzwinkernd als ein Gründungsmitglied des Kunstpark Ost. Und es stimmt ja: Münchens Hallen-Irrwisch,
-Derwisch, -Mogul, -Kalif, -Rumpelstilzchen Wolfgang Nöth kam wirklich vom Flughafen Riem mit nur einer Hand voll Gelände-Piraten.
Ein paar konnten Platten auflegen und Bierbestellungen auf AB besprechen, das waren die Diskowirte der 90er, das war der Diskogoldrausch des schwarzen Vinyls. Und dann waren da die ganzen Flohmarktler. Die gehörten flächenmäßig September, Oktober 1996 mit zu den größten Mieter. Am Anfang waren überall Möbel, Tand, Bücher, Schellack, alte Kühlschränke. Später wich man dann einem Tabledance, einem Matador, die riesige Flohmarkthalle wurde noch
später geschlossen, und die alte Markthalle auch. Hans Kürzinger ist geblieben,
er hat sein Möbellager immer noch in einem Keller der alten Flohmarkthalle. Und er freut sich, dass wieder Leben in die Flohmarkthalle gekommen ist durch das Theater Halle 7, das kürzlich auf der Rückseite aufgeschlagen hat. Weg sind Nöth‘sche Männer der ersten Stunde, wie der Radio-Dieter, der Juwelen-Charly und der Metzger-Willy. Verschollen? Wer weiß. Hans Kürzinger hat sich jetzt mit Ingo zusammen getan. Der brachte die Design-Abteilung, Lampen, Lichtobjekte und die für unseren Geschmack schwer einzuordnenden dänischen Sideboards, lang gestreckte, konsolenartige schlanke Schränke, worin in abgewandelter Form bei uns etwas später in den 50ern die ersten Fernseher verschwanden. Hans hat weiße Möbel, hauptsächlich Wäscheschränke, Kleider- und Küchenschränke
im südfranzösischen Stil. Diesen luftigen
mediterranen Stil baut er mit befreundeten Schreinern heute auch nach Maß neu, was sehr gefragt ist. Nach wie vor hat er Bauernmöbel, eher bayerisch-böhmischer Herkunft, Buffets aus dem 19. Jahrhundert. In kleineren Dosierungen gibt es auch Jugendstil und Biedermeier, jede Menge Spiegel und alte elektrische Geräte. Wunderbar gearbeitet sind die neuen Tische im alten Look aus Kirschholz oder Nussbaum in allen Größen,
sehr schön vor allem für unsere Küchen. Und wirklich: sehr schnäppchenverdächtig! Aber was ist mit dem Radio-Dieter? Ein bisschen verloren stehen wir vor etwa zweihundert alten Radios, die der Hans nicht wegschmeißen will, obwohl wahrscheinlich keines geht.
Besichtigung des Lagers: Do. und Fr. 14 - 20 Uhr, Sa. und So. 11 - 18 Uhr oder nach Vereinbarung: 0172 - 8 84 56 10